Unterstützung für Opfer von Straftaten

Wenn Sie oder ein Ihnen nahe stehender Mensch Opfer einer Straftat geworden ist, sollten Sie sofort den Notruf der Polizei verständigen (Telefon-Nummer 110). Schreiben Sie schnellstmöglich alles auf, was Ihnen zu Tat und Täter aufgefallen ist. Das kann wichtig für die Strafverfolgung sein. Sie können Strafanzeige bei der Polizei stellen, aber auch bei der Staatsanwaltschaft oder bei Gericht. Eine Übersicht der Dienststellen der Bundespolizei finden Sie hier.

Rechte, die allen Verletzten/Geschädigten einer Straftat zustehen

Kann ich mich im Verfahren unterstützen lassen?

Sie können Hilfe und Unterstützung durch eine Opferhilfe-Einrichtung erhalten. Die Adressen solcher Einrichtungen können Sie u. a. bei den Rechtsantragsstellen der Gerichte sowie bei der Polizei erfragen.

Strafprozessordnung Strafprozessordnung

Eine bundesweite Übersicht über Kontaktadressen und Telefonnummern von Opferhilfe-Einrichtungen enthält die Opfer-Fibel. Diese können Sie beim Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz herunterladen.

Sie können auch einen Rechtsanwalt beauftragen, der Sie im Verfahren vertritt. Dieser darf zum Beispiel die Akten einsehen, bei Ihrer Vernehmung anwesend sein und Sie unterstützen. Die Kosten für Ihren Anwalt müssen Sie in der Regel selbst tragen. In bestimmten Ausnahmefällen kann Ihnen für die Dauer Ihrer Vernehmung ein Anwalt kostenlos zur Seite gestellt werden, zum Beispiel bei schweren Straftaten.

Zu Ihrer Vernehmung können Sie auch eine Person Ihres Vertrauens mitbringen, die grundsätzlich anwesend sein darf.

Können im Verfahren meine Personalien geheim gehalten werden?

Sie müssen bei Ihrer Vernehmung grundsätzlich Ihre Personalien angeben. Darunter fallen insbesondere Ihr Name, Ihr Familienstand und Ihr Wohnort. Nur bei einer besonderen Gefährdung kann davon ganz oder teilweise abgesehen werden:

  • Wenn begründeter Anlass zu der Besorgnis besteht, dass durch die Angabe Ihres Wohnortes Ihre Rechtsgüter oder die einer anderen Person gefährdet werden oder dass auf Sie oder eine andere Person in unlauterer Weise eingewirkt wird, soll der vernehmende Beamte der Polizei oder der Staatsanwaltschaft oder der Richter Ihnen gestatten, statt Ihres Wohnortes Ihren Geschäfts- oder Dienstort oder eine andere ladungsfähige Anschrift anzugeben.
  • Nur bei Gefahr für Leben, Leib oder Freiheit kann Ihnen gestattet werden, keine Angaben zur Person zu machen. Ihre Daten sind dann geschützt.

Kann ich erfahren, was im Verfahren passiert?

Sie haben ein Recht auf folgende Auskünfte:

  • Sie können bei der Staatsanwaltschaft oder beim Gericht eine Mitteilung über den Ausgang des Verfahrens beantragen. Insbesondere können Sie auf Antrag erfahren, ob dem Verurteilten die Weisung erteilt wurde, jeden Kontakt zu Ihnen zu unterlassen.
  • Sofern Sie ein berechtigtes Interesse darlegen, können Sie beantragen,

    • dass Ihnen mitgeteilt wird, ob der Beschuldigte oder Verurteilte schon oder noch in Haft ist oder ob erstmals Vollzugslockerungen oder Urlaub gewährt werden,
    • dass Ihnen die Erhebung der Anklage mitgeteilt wird, wenn überwiegende schutzwürdige Interessen des Beschuldigten oder einer anderen Person oder eine Gefährdung des Untersuchungszwecks dieser Mitteilung nicht entgegenstehen,
    • Auskünfte und Kopien aus den Akten zu erhalten; Akteneinsicht erhält jedoch nur Ihr Rechtsanwalt.

Geben Sie bei allen Anträgen immer folgende Informationen an:

  • Namen und Vornamen des Beschuldigten, wenn möglich und
  • das Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft oder des Gerichts oder die Vorgangsnummer der Polizei.

Kann ich Entschädigungsansprüche im Strafverfahren geltend machen?

Als Verletzter oder sein Erbe können Sie im Strafverfahren einen vermögensrechtlichen Anspruch gegen den Angeklagten geltend machen, wenn dieser zur Tatzeit mindestens 18 Jahre alt war. Ein vermögensrechtlicher Anspruch ist zum Beispiel ein Anspruch auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld.

Sie können einen solchen Antrag bei Gericht schriftlich stellen, dort aufnehmen lassen oder in der Hauptverhandlung mündlich vortragen. In dem Antrag müssen Sie darlegen, was Sie von dem Angeklagten fordern und warum. Zudem sollte der Antrag die notwendigen Beweise enthalten.

Zusätzliche Rechte in bestimmten Fällen

Welche Fälle sind das?

Zusätzliche Rechte stehen Ihnen zu, wenn Sie durch eine der folgenden Tathandlungen verletzt worden sind:

  • Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, zum Beispiel Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch;
  • Straftat gegen das Leben oder die körperliche Unversehrtheit, zum Beispiel versuchter Totschlag oder vorsätzliche Körperverletzung;
  • Straftat gegen die persönliche Freiheit, zum Beispiel Menschenhandel oder schwere Formen der Freiheitsberaubung;
  • Verstoß gegen eine richterliche Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz;
  • Nachstellung (Stalking).

Diese Rechte stehen Ihnen auch zu, wenn Sie Verletzter einer anderen Straftat sind und besondere Umstände vorliegen, Sie insbesondere schwere Tatfolgen erlitten haben.
Gleiches gilt, wenn ein naher Angehöriger getötet worden ist (Eltern, Kind, Geschwister, Ehegatte oder Lebenspartner).

Welche zusätzlichen Rechte habe ich in diesen Fällen?

  • Wenn Sie eine Auskunft oder Abschrift aus den Akten haben möchten, brauchen Sie hierfür keine Gründe anzugeben.
  • Wenn Sie wissen möchten, ob der Beschuldigte oder Verurteilte schon oder noch inhaftiert ist, brauchen Sie in der Regel kein berechtigtes Interesse an der Auskunft darzulegen.
  • Ihr Rechtsanwalt hat das Recht, anwesend zu sein, wenn der Richter schon vor der Gerichtsverhandlung einen Beschuldigten oder Zeugen vernimmt.
  • Auf Antrag erhalten Sie die Anklageschrift.
  • Über den Hauptverhandlungstermin werden Sie ebenfalls auf Antrag informiert.
  • Sie und Ihr Rechtsanwalt dürfen an der gesamten Gerichtsverhandlung teilnehmen.
  • Sie können Nebenkläger werden, wenn Sie dies beantragen. Als Nebenkläger haben Sie folgende weitere Rechte:

    • Sie erhalten automatisch die Anklageschrift.
    • Sie und Ihr Rechtsanwalt werden zum Hauptverhandlungstermin geladen.
    • Sie dürfen in der Gerichtsverhandlung Fragen und Anträge stellen.
    • Sie werden grundsätzlich im gleichen Umfang wie die Staatsanwaltschaft angehört und über Entscheidungen des Gerichts informiert.

In Strafverfahren gegen Täter unter 18 Jahren ist die Nebenklage nur bei bestimmten schweren Straftaten zulässig.

Weitere Auskünfte und zusätzliche Unterstützung

Sollten Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich damit bitte an eine Rechtsantragsstelle bei Gericht, einen Rechtsanwalt oder eine Einrichtung der Opferhilfe.

In folgenden Fällen können Sie zivilrechtliche Hilfe nach dem Gewaltschutzgesetz beim Amtsgericht in Anspruch nehmen, um sich vor weiteren Übergriffen zu schützen:

  • bei vorsätzlichen Körper-, Gesundheits- oder Freiheitsverletzungen oder diesbezüglichen Bedrohungen,
  • bei Hausfriedensbruch sowie
  • bei unzumutbaren Belästigungen durch beharrliches Nachstellen (Stalking).

Sofern Sie keinen Rechtsanwalt hiermit beauftragen wollen, können Sie weitere Informationen hierzu bei der Rechtsantragsstelle Ihres Amtsgerichtes erhalten.

Wer durch eine Gewalttat eine gesundheitliche Schädigung erlitten hat oder Hinterbliebener einer solchen Person ist, kann wegen der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Schädigung bestimmte Versorgungsleistungen beantragen, zum Beispiel:

  • Kostenübernahme für psychologische Betreuung,
  • eine Haushaltshilfe oder
  • eine Opfer-Entschädigungsrente.

Gesetzliche Grundlage dieser Leistungen ist das Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten.
Zur Klärung eventueller Ansprüche wenden Sie sich bitte an das zuständige Amt für Versorgung und Soziales.

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